29. November 2015

Tierquälerische Kasten-Kaninchenhaltung mit Happy End!

(Rebi+S) Ein Tierfreund informierte uns vor einiger Zeit, dass in Gossau/ZH zwei Kaninchen ein einsames Dasein in einem Kastenstall fristen. In einem Schreiben mit beiliegendem Infomaterial wie man geeignete Aussengehege baut und Kaninchen richtig vergesellschaftet, haben wir die Familie vor gut 3 Wochen zu einer Stellungnahme bezüglich ihrer grausamen Kaninchen-Haltung aufgefordert.

Die Antwort kam prompt: "Sehr geehrte Damen und Herren, ich beziehe mich auf Ihr Schreiben vom 5.11.2015 und teile Ihnen mit, dass ich die beiden erwähnten und uns sehr lieb gewordenen Häsinnen demnächst, resp. allerspätestens bis am 20. November 2015 töten werde." Sehr lieb gewordenen Häsinnen? So lieb, dass man sie lieber zum Schlachter bringt, statt ihnen ein schönes artgerechtes Leben zu ermöglichen? Wir veröffentlichten den Fall im Facebook, welcher viele empörte Reaktionen von Tierfreunden auslöste. Viele Leute kontaktierten die Familie, riefen an oder schrieben Protestmails. Auch wir wollten das Ganze nicht so enden lassen und fragten die Leute am selben Abend an, ob sie bereit wären, uns ihre "liebgewonnenen" Kaninchen zu überlassen, statt sie auf die Schlachtbank zu führen.

DOCH NOCH EIN HAPPY END FÜR DIE KANINCHEN!

Das Ehepaar willigte ein und wir konnten die beiden Tiere tags darauf abholen und brachten sie zum Häslihof in Abtwil/SG. Wieder einmal hat erst das öffentliche Anprangern von Tierquälerei den gewünschten Erfolg gebracht!

Der Häslihof ist ein Paradies für Kaninchen, welches in der gleichen Form wohl nur selten zu finden ist. Ein liebevoll hergerichtetes und riesengrosses Freigehege für über 200 Kaninchen. Höhlen graben, Haken schlagen, gemeinsames "herumhoppeln" und "gruppenkuscheln" ist auf diesem Lebenshof Alltag für Kaninchen. So abwechslungsreich sollte nun künftig auch das Leben für Möhrli und Hoppel aussehen, wie wir die beiden Kaninchen genannt haben.

 

Das Körbchen öffnet sich - noch ist Hoppel ängstlich und weiss nicht,
dass dies der Weg zu einem schönen Leben bedeutet.

Nach der ersten "Gesundheitsinspektion" und Parasitenbehandlung durften die beiden Kaninchen gleich ihr neues Zuhause entdecken. Was für ein schöner Anblick! Es war sehr berührend zu sehen, wie die beiden zum ersten Mal Artgenossen und Freiraum erkundeten.

Rumhoppeln und Baumstämme anknabbern - das langweilige und
einsame Leben ist nun vorbei!

Möhrli, das schwarze Kaninchen, verbrachte rund 6 Jahre in Isolationshaft und hatte ausser den Wänden des Kastenstalls und immer dem gleichen Ausblick durchs Gitter hindurch noch nie etwas anderes gesehen. Würde es dieses Kaninchenmädchen nach so langer Zeit überhaupt noch schaffen, sich in eine Gruppe zu integrieren? Immer wieder behaupten Kaninchenzüchter, dass dies bei solch grossen Kaninchenrassen unmöglich sei und rechtfertigen ihre grausame Einzelhaltung damit. Möhrli beweist, dass sie alle Lügner sind! Sie brauchte zwar einige Tage, um sich an die neue Freiheit und all die anderen Kaninchen zu gewöhnen. Ganz ohne Schrammen ging es auch nicht. Aber als wir sie nur zwei Wochen später besuchten, haben wir ein äusserst zufriedenes und glückliches Kaninchen vorgefunden, welches gut mit den anderen zurecht kommt und sogar einen Freund gefunden hat, der gleich aussieht, wie Möhrli selbst. Die beiden sind immer zusammen und damit man sie unterscheiden kann, wurde Möhrli ein kleiner Farbtupf auf Öhrchen gemalt.

Möhrli mit ihrem neuen Freund im Hintergrund.
Sie wird nie wieder einsam sein!
Die beiden sind wie Pech und Schwefel.

Hoppel, das rotbraune Kaninchen ist erst 1 Jahr alt und lebte deshalb weniger lang alleine und hatte es dementsprechend auch leichter, sich zu integrieren. Es suchte sich bereits in der ersten Nacht auf dem Häslihof eine Kaninchenfamilie. Beim Tierarztbesuch stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei Hoppel entgegen der Behauptung der früheren Besitzer um ein männliches Tier handelt. Hoppel wurde sofort kastriert und einem wunderschönen Leben auf dem Häslihof steht auch ihm nun nichts mehr im Wege.   

Der Häslihof ist ein liebevoll eingerichtetes Paradies für Kaninchen.
Über 200 Langohren leben hier, teilweise stammten sie aus
schlechter Haltung. Nun dürfen sie auf dem Häslihof
ein glückliches Leben verbringen.

Überall auf dem Gelände findet man solche Kaninchengruppen. Sie geniessen den Kontakt mit Artgenossen, kuscheln und pflegen sich gegenseitig.

Das Kaninchengefängnis gehört nun der Vergangenheit an!

In diesen kleinen Kastenabteilen, wie auf dem Foto unten zu sehen ist, "lebten" Möhrli und Hoppel bei ihren vorherigen Besitzern wie im Gefängnis. Ihr Urteil: lebenslange Isolationshaft. Ihr Verbrechen: keines, sie waren völlig unschuldig! Als das Foto gemacht wurde, hatte das Ehepaar statt dem rotbraunen Kaninchen noch ein schwarz-weisses. Dieses wurde vor unserer Intervention durch das rot-braune Burgunder-Kaninchen ersetzt.

Man könnte meinen, dass heutzutage gebildete Leute wissen, wie sehr Kaninchen unter dieser längst veralteten Haltung leiden. Kaninchen sind bewegungsfreudige und soziale Lebewesen. Unter den schweizerischen Tierschutzorganisationen besteht ein Konsens darüber, dass Einzel- und Kastenhaltung (sowie auch Käfighaltung) von Kaninchen eine Tierquälerei ist, die dringend verboten werden sollte.

Infos über tiergerechte Kaninchenhaltung: www.vgt.ch/doc/kaninchen

Das Kaninchengefängnis von Möhrli und Hoppel war in seiner Umgebung an Grausamkeit eigentlich kaum zu übertreffen. Den ganzen Tag blickten die Kaninchen auf eine grosse Wiese, die für sie unerreichbar blieb. Ein schönes Aussengehege zu errichten, war für das Ehepaar offensichtlich zu viel Aufwand. Von Haken schlagen und Höhlen graben, konnten die einsamen Kaninchen bis zu ihrer Rettung nur träumen.
Weil das Ehepaar bereit war, uns die Kaninchen zu überlassen, haben wir ihre Adresse sowie die Fotos vom Wohnhaus aus diesem Beitrag entfernt. Die beiden haben uns versichert, dass sie in Zukunft keine Kaninchen mehr anschaffen möchten.

Wir danken allen herzlich, die durch Emails oder Telefonanrufe die vorherigen Besitzer dazu bewegt haben, Möhrli und Hoppel doch noch abzugeben, statt sie zu schlachten. Danke für die Unterstützung! Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass man auf Elend, welches wir öffentlich machen, reagiert. So konnten viele dazu beitragen, dass das traurige Leben von Möhrli und Hoppel ein Ende hatte und sie nun ein glückliches Kaninchenleben führen dürfen.

Der Häslihof ist übrigens ein sehr unterstützungswürdiges Projekt und würde sich über Spenden sehr freuen. Für einen kleinen Beitrag kann man eine Patenschaft für ein Häsli übernehmen. Man darf sich das Tier, welches man gerne finanziell unterstützen möchte, auf dem Häslihof aussuchen und es danach so oft man will besuchen. Wäre das nicht ein schönes Weihnachtsgeschenk für Tierfreunde? Infos dazu findet Ihr hier: www.haeslihof-abtwil.ch

 

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