24. Dezember 2017 / VN 18-1

Frauenfelder Migros-Schweinzüchter reicht Klage gegen Erwin Kessler ein - diesen freut's. Lesen Sie warum.

In der Dezemberausgabe 2017 (www. vgt.ch/vn/1704/html5/?pn=9) haben wir einmal mehr mit neuen Aufnahmen über den ganz normalen Wahnsinn in Schweizer Tierfabriken berichtet - diesmal vorallem aus dem Thurgau, seit dem Fall Hefenhofen berüchtigt für den Tierschutz-Nichtvollzug. Diese neuen Enthüllungen wurden von sämtlichen anderen Medien unterdrückt.; nur die Leser der VgT-Medien erfahren davon. Eines dieser Beispiele war die Schweinefabrik von Fritz Stüssi in Frauenfeld, der für die Migros «produziert» und daneben noch einen Hofladen betreibt  Wir erläutern hier seine haltlosen Rechtfertigungen für seine tierquälerische Schweinehaltung. Anmerkung: "tierquälerisch" ist hier nicht im strafrechtlichen Sinn gemeint, (denn der Bundesrat erlaubt praktisch alles, was sich die Tierausbeuterteinfallen lassen um Arbeit zu sparen und den Gewinn zu maximieren), sondern im biologischen und ethisch-moralischen Sinn.

Zu diesen Aufnahmen schrieben wir in VN 17-4:
Der Holocaust der Nutztiere geht unvermindert weiter.
Nein, stimmt nicht ganz, der Schweinefleisch-Konsum ist rückläufig und immer mehr Menschen ernähren sich rein pflanzlich (vegan).
Das einzige was wir dagegen (gegen den Holocaust an den Nutztieren) tun können ist, immer wieder Beispiele zeigen. Damit möchten wir der naiven Illusion vorbeugen, die Verhältnisse würden sich dank Tierschutzgesetz allmählich bessern. Seit Jahrzehnten dokumentieren wir immer wieder neu das unsägliche Massen-Elend - nicht anhand extremer Beispiele oder «schwarzer Schafe». Wir zeigen den nach Schweizer Tierschutzstandard ganz normalen alltäglichen Wahnsinn. Jeder kann ganz einfach seinen Beitrag leisten zur Verminderung dieses Massenverbrechens: vegane Ernährung, das heisst konsequenter Verzicht auf tierische Lebensmittel und Zutaten - Ihrer Gesundheit und den Tieren zuliebe!

Nun behauptet Stüssi, wir hätten ihn als "schwarzes Schaf bezeichnet". Stimmt offensichtlich nicht, vielmehr schrieben wir, dass wir hier keine schwarzen Schafe zeigen, sondern den ganz normalen Wahnsinn - wörtlich:  "Seit Jahrzehnten dokumentieren wir immer wieder neu das unsägliche Massen-Elend - nicht anhand extremer Beispiele oder «schwarzer Schafe»."

Die Legende zu dieser Aufnahme in VN 17-4 lautet:
Muttertier - auf die Geburt ihrer Ferkel wartend. Sie würde gerne ein Strohnest für ihre Kinder bauen. Stattdessen ein bisschen Alibi-Strohspuren. Das Schwein muss auf dem harten Boden gebären. (Migros-Lieferant Stüssi, Eichhof, Frauenfeld, 2017).

Stüssi behauptet dazu: Diese Mutter habe Einstreu erhalten, aber sie habe es selber auf die Seite gescharrt. Das ist eine Standardausrede der Schweinezüchter, deren Tiere keine Einstreu haben. Man betrachte die Aufnahme genau: ausserhalb der Käfigs, für das Tier nicht erreichbar (in der rechte, unteren Ecke), hat es ein bisschen Sägemehl (oder Strohmehl) und ein paar Strohhalme. Das ist offensichtlich alles, was das arme Tiere "wegscharren" konnte beim verzweifelten Versuch, ein Nest zu bauen für die Ferkel, die bald auf die Welt kommen.

Dass Tierquäler auch schamlos lügen, stelle ich seit 30 Jahren immer wieder fest. Das sind ja auch zusammenpassende Charaktereigenschaften. In Tat und Wahrheit und gut erkennbar hat das Muttertier vorschriftswidrig keine Einstreu - nur ein bisschen Mist aus geringen Strohresten, vermischt mit Kot und Urin. Die geltenden Tierschutzvorschriften verlangen verbindlich klar und deutlich in Artikel 50 der Tierschutzverordnung): «Einige Tage vor dem Abferkeln ist ausreichend Langstroh oder anderes zum Nestbau geeignetes Material und während der Säugezeit ausreichend Einstreu in die Bucht zu geben.» Diese Vorschrift, welche das traurige Leben in den Tierfabriken etwas lindern könnte, bleibt wie alle anderen toter Buchstabe, indem sie von den Veterinärämtern so verdreht werden, dass sie nur noch Alibi-Funktion haben: dem Buchstaben nach «fortschrittliches Tierschutzgesetz» - ein blosses Propagandamittel für die Tierausbeutungswirtschaft.

In diesem Fall geht die Rechtsverdrehung der Tierschutzvorschrift so: Die Vorschrift laute ja nur, es müsse Stroh gegeben werden, nicht es müsse Stroh haben. Im Klartext bedeutet diese spitzfindige Interpretation: Wenn das Mutterschwein die Einstreu frisst (eine beliebte Beschäftigung von Schweinen) oder wegscharrt, muss es zur Strafe auf dem nackten, harten Boden gebären. Selber schuld, dummes Schwein! So denkt die Agromafia - und auch der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig - seit dem Skandal um den Tierquäler Ulrich K., Hefenhofen, schweizweit als Tierschutzverhinderer bekannt, aber immer noch im Amt ist. Deshalb ist es sinnlos, solche Missstände anzuzeigen. Die Staatsanwälte übernehmen stets blindlings das, was Witzig sagt. In anderen Kantonen ist es allerdings auch nicht besser. Das für den Tierschutz zuständige Bundesamt - das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV - hat die Aufgabe, die Kantone beim Tierschutzvollzug zu beaufsichtigen, nutzt diese Kompetenz aber nur dazu, den Tierschutz schweiz­weit zu verhindern und die schönklingenden Tierschutzvorschriften so zu verdrehen, dass  sie in der Praxis toter Buchstabe bleiben. Solange Tierschutzorganisationen kein Klage- und Beschwerderecht haben, kann die Agromafia, einschliesslich die Veterinärämter, die Tierschutzvorschriften nach Belieben bis zur völligen Wirkungslosigkeit verdrehen, während gleichzeitig den Konsumenten gehirnwäschartig eingeimpft wird, wir hätten ein gutes Tierschutzgesetz und Schweizer Fleisch könne mit gutem Gewissen gegessen werden. Dies ständige Desinformation müssen die Steuerzahler zwangsweise mitfinanzieren, denn der Bund subventioniert diese verlogene Fleischwerbung zu 50 %.

Darum fordern wir und andere Tierschutzorganisationen  ein Klage- und Beschwerderecht gegen die Missachtung des Tierschutzgesetzes. Dass das dringend nötig ist, hat der Skandal Ulrich K., Hefenhofen, der Schweizer Öffentlichkeit vor Augen geführt (wären es Schweine und nicht Pferde gewesen, hätten sich die Medien nicht um den Fall gekümmert). Die Forderung "No Hefenhofen" lässt sich nur mit einem Klage- und Beschwerderecht der Tierschutzorganisationen verwirklichen, denn trotz dem grossen Skandal "Hefenhofen" geht der Behördenschlendrian und die Vertuschungspraxis und verlogene Schönrednerei im Kanton Thurgau (und auch anderswo) unvermindert weiter (siehe unsere Dokumentation Ulrich K.).

Nun nochmals zur Aufnahme des Muttertieres in der sogenannten Abferkelbucht, wo sie die Geburt der Ferkel in den nächsten Tagen oder Stunden erwartet. Wegen der fehlenden, weil angeblich weggescharrten, Einstreu, hat es auch keine Beschäftigungsmöglichkeit, obwohl Artikel 44 der Tierschutzverordnung lautet: «Schweine müssen sich jederzeit mit Stroh, Raufutter oder anderem gleichwertigem Material beschäftigen können.» Auch diese Vorschrift bleibt toter Buchstabe und dient nur der Fleischwerbung. Stüssi sagt, bei den Kontrollen seines Betriebes durch das Veterinäramt sei immer alles tierschutzkonform. Das glauben wir sofort. Für Witzig ist immer alles tierschutzkonform. Das dumme Tier hat die Einstreu aufgefressen, da kann doch der Tierhalter nichts dafür! Das ist der übliche von Bern (BLV) aus gelenkte oder zumindest tolerierte Nichtvollzug des Tierschutzgesetzes.

Zur folgenden Aufnahme behauptet Stüssi, die Tiere hätten Zugang zu einem mit Stroh eingestreuten Bereich - eine unglaubwürdige Ausrede, denn die Tiere liegen hier im Deck und sind am ganzen Körper mit Kot verschmiert. Nun ist es aber wissenschaftlich belegt, dass Schweine nicht freiwillig in ihren Kot liegen, sondern Kot- und Liegeplatz strikte auseinanderhalten.  Falls sie bei Stüssi in ihren Kot liegen, bedeutet das, dass sie in dieser Tierfabrik hochgradig neurotisch verhaltensgestört werden. Tiere so zu halten, dass sie derart psychisch krank werden, ist eine schwere Tierquälerei.

Migros hat zu diesen Aufnahmen wie folgt Stellung genommen: Eine Kontrolle habe ergeben, dass alles tierschutzkonform sei. Typisch Migros. So geht das immer, und es gibt immer noch Konsumenten, die Migros, Coop und Konsorten alles glauben, um ihr Gewissen zu beruhigen beim Kauf von solchen Tierquälerprodukten.

 Weil wir kein Klage- und Beschwerderecht haben, betrachte ich es als willkommener Glücksfall, dass mich Stüssi nun eingeklagt hat. So haben wir die einmalige Gelegenheit, die katastrophalen Zustände in Schweizer Tierfabriken vor einem Gericht vorzubringen. Es ist schon lange her, dass ich eine solche Gelegenheit hatte. Das war im Jahr 1992. Schon damals war der Tierschutz-Nichtvollzug ein grosses Thema (ein Dauerthema bis heute). Damals hatten wir die tierquälerischen Zustände in der christlichen Schweinefabrik des Klosters Notkersegg bei St Gallen öffentlich gemacht, worauf ich vom Betriebsleiter wegen Ehrverletzung eingeklagt und dann freigesprochen wurde (damals hiessen die VgT-Nachrichten noch Tierschutz-Nachrichten). Aus dem Urteil geht hervor, dass die vom Bundesrat erlaubte Kastenstandhaltung von Mutterschweinen das Tierschutzgesetz verletzt. Weil Tierschutzorganisationen kein Klage- und Beschwerderecht haben und solche Gesetzwidrigkeiten deshalb nicht vor Gericht bringen können, war die Klage dieses Schweinezüchters gegen mich ein Glücksfall und eine Chance -- so wie jetzt die Klage von Stüssi. Allerdings hatte dieses Gerichtsurteil keine unmittelbare Konsequenz für den Tierschutzvollzug. Es belegt aber immerhin, dass unsere Kritik am Tierschutznichtvollzug fundiert ist und nicht - wie das von der Tierquälerlobby gerne behauptet wird - bloss extreme private Vorstellungen darstellt. Mit einem Klage- und Beschwerderecht könnten wir rechtsverbindliche Urteile gegen den Nichtvollzug des Tierschutzgesetzes erwirken - die einzige reale Möglichkeit. No Hefenhofen! No more Hefenhofen! Wir fordern ein Klage- und Beschwerderecht für Tierschutzorganisationen! 

Ein kleines Happy-End (auch wenn für uns Veganer lange nicht genug):

Den armen Schweinen des Klosters Notkersegg half das Urteil aber ganz konkret: Sie mussten bald darauf nicht mehr in der grausamen Kastenstandhaltung dahinvegetieren und erhielten Auslauf ins Freie. Ein VgT-Mitglied, das dort vorbeispazierte schilderte mir folgende Beobachtung: "Kürzlich war ich mit meinem Hund auf einem Spaziergang am Rand der Stadt St Gallen. Beim Kloster Notkersegg sah ich eine Einzäunung mit Wiese, wo eine Muttersau mit zwei Jungen auf der Wiese war. Es hatte etliche Leute dort, die staunend zusahen. Ein Mann sagte zu den Leuten, die über die Schweinehaltung redeten: ‘Ja, der Kessler war halt ein paar mal hier, und deswegen lassen sie hier jetzt die Sauen raus."


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